Die Kapriolen an der Börse

Wer in den letzten paar Wochen die Börse verfolgt hat, denkt sich sicherlich auch, dass hier etwas gewaltig schief läuft! Wie kann es sein, dass die Börse steigt, obwohl wir noch mitten drinnen stecken in der Covid-18 Krise? Haben wir wirklich den Crash schon überstanden?

Bulle oder Bär?

Tja, hellsehen kann ich leider nicht – denn sonst wäre ich sicherlich bereits Millionärin und mein Blog würde anders aussehen…

Wie üblich gibt jeder Experte seine Meinung dazu ab, ob wir jetzt den Crash bereits hinter uns haben oder nicht. Es gibt zwei Szenarien:

  1. Der Crash ist schon vorbei
  2. Das war erst das Vorspiel, der richtige Crash kommt noch

Woran lässt sich jetzt nun erkennen ob wir einen nun in ersten oder im zweiten Szenario stecken? Gar nicht. Es gibt immer wieder genügend Argumente für beide Lager.

Der Crash ist schon vorbei

Fangen wir mit dem positiven Szenario an. Grundsätzlich sieht es ja im Moment so aus, als wäre der Crash schon wieder vorbei. Kaum jemals zuvor hat sich die Börse wieder derartig schnell erholt wie seit dem Crash im März.

Die Zahlen für das erste Quartal wurden von den Firmen herausgegeben, die gar nicht unbedingt so schlecht waren. Das kann logischerweise die Anleger auch ein wenig beruhigen.

Das alleine reicht jedoch noch lange nicht aus. Die Europäische Zentralbank (EZB) pumpt gerade massiv Geld in die Märkte um die Länder zu unterstützen. Das heißt der Markt wird mit billigem Geld geflutet – wir haben ja keine Zinsen. Das heißt die Liquidität im Markt ist ziemlich hoch.

Auf der anderen Seite gibt es viele Menschen in Kurzarbeit die trotzdem weiterhin Geld vom Arbeitgeber erhalten, dieses Geld aber zum Großteil wegen den Covid19-Beschränkungen nicht ausgeben können.

In Zeiten von Nullzinsen verlieren Sparer, die ihr Geld auf dem Girokonto oder Tagesgeld Konto geparkt haben aufgrund der Inflation massiv an Geld. Das scheint immer mehr Menschen bewusst zu werden.

Es gibt also eine Vielzahl von Gründen, warum das Geld im Moment dem Aktienmarkt zuströmt. 2 Gründe sind hier besonders erwähnenswert:

  1. Die EZB betreibt massive Staatsfinanzierung indem sie Staatsanleihen und Unternehmensanleihen kauft – teilweise bereits auf Schrottniveau!
  2. Es gibt einfach keine Alternativen mehr

Des Deutschen liebstes Kind – die Immobilie – ist vielen Orts bereits zu teuer geworden. Außerdem haben viele potentielle Häuslebauer bereits gebaut/gekauft.

Jetzt kann man natürlich argumentieren, dass eine massive Rezession vor der Tür steht. Die ist auch bei weitem nicht weg zu diskutieren. Als Anleger darf man hier aber mehrere Dinge nicht vergessen:

  1. Das ist bereits in den Kursen eingepreist. Es war relativ schnell klar, dass es eine Rezession geben wird. Die Börse wird jetzt nur noch darauf reagieren wenn die Realität von der Erwartung abweicht.
  2. Nicht alles was für uns schlecht ist, ist auch an der Börse schlecht: Unternehmen die gut aufgestellt sind, sparen und sich den Gegebenheiten anpassen werden eher als Gewinner hervorgehen. So pervers es ist: wenn ein Unternehmen Leute entlässt, dann freut das die Anleger, denn die Fixkosten – insbesondere in diesen schwierigen Zeiten – werden gesenkt.
  3. Nicht alle Branchen sind von dem Lockdown/Covid19 betroffen.

Insbesondere der Punkt 2 wird in den USA gut sichtbar. Dort haben die Aktien wieder gut aufgeholt. Amazon beispielsweise hat bereits neue Rekorde zu verzeichnen. Und doch ist die Arbeitslosigkeit in den letzten Wochen in astronomische Höhen geschnellt. Das passt auf den ersten Blick überhaupt nicht zusammen. Auf den 2. Blick aber durchaus: bei Amazon beispielsweise handelt es sich um einen der Gewinner der Krise, da der stationäre Handel ausgefallen ist und die Konsumenten daher verstärkt auf Onlineshops – insbesondere eben Amazon – zurückgegriffen haben.

Der richtige Crash kommt erst noch

Auch dieses Lager hat viele Anhänger. Das Hauptargument hier ist, dass Covid19 unterschätzt wird. Es ist eine neue Bedrohung, die wir so noch nicht kennen. Wir wissen noch nicht, wie sich das Leben mit Covid19 weiter gestalten wird. Immer wieder wird die Pandemie mit der Spanischen Grippe nach dem ersten Weltkrieg verglichen. Und auch dort gab es eine zweite Welle, die weitaus schlimmer war als die erste Welle. Wobei ich damit absolut NICHT andeuten möchte, das es dazu kommen wird. Am besten dazu den Virologen eures Vertrauens befragen. Der kann sicher besser beraten als ich!

Wie schon weiter oben beschrieben, haben die Unternehmen ihre Quartalszahlen für Q1 veröffentlicht. Hierbei darf man aber nicht vergessen, das es sich dabei um eine vorwiegend Corona-freie Zeit handelt. Die wirklichen Zahlen und das wirkliche Ausmaß werden wir erst mit den Q2-Zahlen feststellen können. Der Ifo Index (Der Deutsche Geschäftsklima Index) ist im März/April auf den niedrigsten Stand seines Bestehens gefallen. Der Ifo Index ist ein Indikator für die konjunkturelle Entwicklung Deutschlands – und der sieht schwarz (oder wohl in unserem Fall rot).

Solche Indizes, genauso wie die Wirtschaftsprognosen sind immer sehr mit Vorsicht zu genießen. Denn niemand kennt die Zukunft, und die Prognosen mit ihrer Genauigkeit auf 2 Nachkommastellen suggerieren eine Berechenbarkeit der Situation. Sie ist es aber nicht. Trotzdem ist es ein guter Indikator: es geht nach unten.

Und zuguter Letzt: es ist noch keine Endzeitstimmung. Und auch am tiefsten Punkt des Crashes im März gab es keine Endzeitstimmung. Laut Kostolany können wir dann eigentlich noch nicht am Tiefpunkt angekommen sein…

Tl;dr

Wir wissen nicht, wohin es in Zukunft geht. Wir wissen nicht, was für Auswirkungen Covid19 noch haben wird. Es ist eine noch nie dagewesene Situation, in der wir lediglich auf Pandemien wie der Spanischen Grippe schielen können um zu sehen was damals passiert ist.

Wird die Börse weiter steigen? Wird sie fallen? Sich krebsartig horizontal weiterbewegen? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur eines: Investiert bleiben! Frei nach Kostolany: Wer die Aktien nicht hat wenn sie fallen, der hat sie auch nicht wenn sie steigen!

14. Mai 2020 von Ms. Maxi
Kategorien: Finanzen | Schlagwörter: , | Schreibe einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.