Der Index: Was ist der Unterschied zwischen MSCI Und FTSE?

Finanzen by Chris Li - unsplash

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Du hast keine Ahnung was die Überschrift eigentlich bedeutet? Kein Problem, das kommt gleich!

Was ist ein Index?

Ein Index wird von einer Finanzfirma herausgegeben. Bei einigen Indices ist daher auch der Firmenname im Indexnamen enthalten. Beispiele für einen Index gibt es viele. Hier in Deutschland ist beispielsweise der DAX sehr bekannt. DAX steht für den Deutschen Aktienindex und umfasst die größten 30 deutschen Firmen. Der Wikipedia Artikel über den DAX ist sehr empfehlenswert.

Außderdem gibt es noch weiter Indices wie beispielsweise den Europäischen Euro Stoxx50 (umfasst die größten 50 Unternehmen im Euro-Raum), den amerikanischen Dow Jones Industrial Average (der älteste noch bestehende Aktienindex) und viele weitere.

Und was sind dann MSCI und FTSE?

MSCI ist die Abkürzung für Morgan Stanley Capital International, einem amerikanischen Finanzdienstleister. Diese Firma setzt weltweite Aktienindices auf. Die bekanntesten darunter sind:

  • MSCI World: Aktien aus 23 Industrienationen (den größten Anteil macht die USA hier aus)
  • MSCI Emerging Markets: Aktien aus 24 Schwellenländern (beispielsweise Russland und China)
  • MSCI ACWI (All Country World Index): Quasi MSCI World und MSCI Emerging Markets in einem, umfasst also Aktien aus 47 Ländern.

MSCI hat ein Dokument in dem diese 3 Indices miteinander verglichen werden. Wer sich nicht von den vielen Zahlen abschrecken lässt, findet das Dokument hier.

Die FTSE Group hingegen ist eine britische Firma, mit Sitz in London. Die europäischen Pendants bekannten Vanguard Funds setzten auf dem FTSE Index auf. Vanguard nutzt die FTSE Russell Indices.

Weitere Indexanbieter sind S&P (mit dem bekannten S&P500 in den USA) und der bereits erwähnte STOXX.

Licht in das Dunkel des Dschungels bringen

Das sieht zunächst etwas chaotisch aus. Aber eigentlich ist es mit Lebensmittelherstellern zu vergleichen: Es gibt mehrere Firmen, die Lebensmittel herstellen. Beispielsweise stellt Bahlsen Kekse her,  RUF stellt Produkte zum Backen her, Dallmayr Kaffee und so weiter. Diese Lebensmittelhersteller sind vergleichbar mit den Indexanbietern.

Jetzt haben wir ja eine ziemlich große Auswahl an Supermärkten, je nach Region sogar unterschiedlich. Die Produkte von RUF finde ich beispielsweise bei Edeka, Bahlsen Kekse bei Rewe etc. Parallel dazu gibt es Banken, die eigene Fonds basierend auf den Indices aufsetzen. Sie kaufen also alle Aktien, die es im Vergleichsindex gibt, und verkaufen ihr Produkt dann an den Endkunden.

Nehmen wir mal das Beispiel MSCI World. Das ist ein Index der Firma MSCI Inc, der Aktien aus 23 Industrienationen umfasst. Jetzt gibt es in Deutschland verschiedene Banken, die alle ETFs (Exchange Traded Funds) auf den MSCI World Index anbieten. Laut justETF gibt es zur Zeit 14 verschiedene Fonds, alle auf den gleichen Index. Die Commerzbank hat einen, die Deutsche Bank gleich mehrere…

Warum gibt es mehrere ETFs einer Bank auf genau den gleichen Index?

Das habe ich mich zunächst auch gefragt. Aber der Index gibt nur vor welche Aktien in einem Fonds drinnen sein müssen, nicht aber wie der Index abgebildet sein soll (Replizierung) oder ob er die Dividenden ausschüttet oder wieder anlegt (thesaurierend). Das ist den Banken überlassen. So kommen dann die Unterschiede zwischen den einzelnen ETFs zustande.

Insgesamt gibt es folgende Unterschiede:

  • Fondsgröße: wie viel Geld steckt in dem Fonds bereits drinnen. Ich würde keine ETFs unter 500 Mio. Euro empfehlen, da diese schneller geschlossen werden als große.
  • TER (Total Expense Ratio): die ungefähren Kosten, die der Fonds erzeugt. Von irgendwas müssen die Kaufkosten etc. ja bezahlt werden.
  • Ausschüttend/Theesaurierend: Werden die Dividenden ausgeschüttet oder gleich wieder angelegt?
  • Volatilität: die Volatilität der ETFs auf einen Index sollten gleich sein, sonst läuft hier auch was schief…
  • Auflagedatum: ältere ETFs sind logischerweise schon länger am Markt.
  • Fondsdomizil: wo wurde der ETF aufgelegt? Meistens in Luxemburg oder Irland. Meistens ist das aber kein Problem. (Fonds Prospekte lesen!)
  • Replikationsmethode: Wie genau wird der Index abgebildet. Eine Vollständige Replikation heißt beispielsweise, dass die Bank für diesen ETF alle im Index befindlichen Aktien gekauft hat. Meistens etwas teurer (aber nicht immer!)
  • Sparplanfähig: Bieten Banken einen Sparplan auf diesen ETF an? Günstig um automatisch anzulegen.
  • Wertpapierleihe: Liegen die Aktien wirklich immer in der Bank, oder verleiht die Bank die Anleihen beispielsweise wegen steuerlichen Vorteilen.
  • Abweichung vom Standardindex: Wie weit weicht der ETF vom Index ab? Das ist die wichtigste Kennzahl!

Es gibt sicher noch einige weitere Unterschiede zwischen den ETFs. Die gelisteten Kennzahlen sind aber die wichtigsten.

Was ist jetzt nun der Unterschied zwischen MSCI und FTSE?

In letzter Zeit habe ich häufiger gesehen, dass Investoren-Neulinge ihr Portfolio mit 2-3 ETFs zusammenstellen wollen und da mehrere Indices nutzen. Das kann problematisch sein. In diesem Fall beispielsweise gehört Südkorea beim MSCI in die Schwellenländer, und beim FTSE zu den Entwickelten Ländern. Wenn ich jetzt beispielsweise einen FTSE World und einen MSCI Emerging Markets habe, dann habe ich also Südkorea 2 Mal in meinem Portfolio und gewichte somit dieses Land über. Das kann auch in Zukunft mit anderen Ländern passieren. Deshalb sollte hier immer ein Index gewählt werden.

Häufig habe ich auch folgendes gesehen: 50% MSCI World, 30% MSCI Emerging Markets und 20% Euro Stoxx 50.
Hier gibt es auch 2 verschiedene Indices. Dies ist jedoch egal, da hier mit dem Euro Stoxx 50 die Eurozohne mit voller Absicht übergewichtet wird. Dies hat keinen Einfluss auf die Aufteilung World/EM. Dieses Beispiel würde ich übrigens nicht empfehlen! Den DAX als Index würde ich ebenfalls nicht besparen, da er mir mit nur 30 verschiedenen Titeln nicht groß genug ist, beziehungsweise ich Deutschland nicht übergewichten möchte.

tl;dr

Die Zusammensetzung der einzelnen Indices kann unter Umständen unterschiedlich sein. Deshalb sollte man beim Portfolio zusammenstellen darauf achten, dass ergänzende ETFs (World und EM) immer aus einem Index bestehen um eine Über- oder Untergewichtung einzelner Länder zu vermeiden.

Meiner Meinung nach sind insbesondere Indices die große Bereiche abdecken am geeignetsten für meine Anlageform (passives Buy&Hold). Ob es ein MSCI ACWI/FTSE All-World oder ein MSCI World und MSCI Emerging Markets ist (FTSE entsprechend), ist dabei egal.

Und das wichtigste ist wie immer: Anfangen!

Viel Spaß beim Investieren!

 

13. September 2018 von Ms. Maxi
Kategorien: Finanzen | Schlagwörter: | Schreibe einen Kommentar

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