Ich arbeite so hart – ich habe es mir verdient!

Coffee to Go - AJ Garcia Unsplash

Coffee to Go – AJ Garcia Unsplash

Ich habe es mir verdient! Wer hat nicht schon mal diesen Satz gesagt oder gedacht, bevor er sich was gekauft hat? Ich weiß von mir, dass ich mir das früher öfter gesagt habe. „Ach, so ein schlechter Tag heute, ich habe es mir verdient!“ Und dann landet xyz im Einkaufswagen, oder der Coffee to Go wird bezahlt – schließlich verdiene ich ja das Geld mit harter Arbeit. Wie sollte man sich denn sonst belohnen für die harten Tage des Brot verdienens…

Kurzfristige Belohnung vs. Langzeit Ziele

Doch warum arbeiten wir? Damit wir Geld verdienen. Heute verdienen wir durchschnittlich weitaus mehr Geld als noch vor einigen Jahrzehnten. Doch was tun wir mit dem hart erarbeiteten Geld? Genau – wir gehen aus und geben es aus. Wir haben es ja verdient! Dabei übersehen wir folgende Dinge:

  1. Es ist wie eine Droge. Am Anfang wird nur eine neue Hose gekauft und wir bekommen einen kleinen Glücksschub. Aber schon nach kurzer Zeit reicht das nicht mehr aus, es müssen zwei Dinge sein. Und so führt sich das immer weiter fort.
  2. Wir torpedieren damit häufig unsere langfristigen Ziele. Beispielsweise um für ein Auto oder die Rente zu sparen.

Ich denke das geht auch einher, dass wir als Mensch eher darauf gepolt sind jetzt die Belohnung zu bekommen als später, auch wenn wir wissen, dass wir später mehr bekommen würden.

Mittlerweile gibt es eine richtige „ich habe es mir verdient“-Mentalität. Wir fahren täglich in die Arbeit, machen teilweise unbezahlte Überstunden, und werden dafür nicht mal gelobt. Es wird als selbstverständlich angesehen. Also müssen wir uns selber Belohnen. In dem wir uns etwas kaufen. HALT, muss das sein?

Belohnungen – Wann und Was?

Natürlich ist es wichtig, sich für die positiven Dinge, die man erreicht hat zu belohnen. Und es ist auch gut, wenn man etwas für sich tut. Die Frage ist nur was! Ich lebe nicht asketisch, und ich glaube das möchten auch die wenigsten von uns. Es geht mir vielmehr um eine Entkoppelung des „Ich habe es mir verdient!“ Gedankens im Zusammenhang mit Shoppen. Bin ich dafür einen Abschluss von der Universität „setze-hier-deine-Uni-ein“ zu feiern? Natürlich! Aber eben nicht, in dem ich shoppen gehe und mir die tollen 500 € Designer Schuhe kaufe, sondern indem ich mich an meinem Ehrentag mit meinen Verwandten und Freunden treffe und feiere. Ja, das kostet natürlich auch Geld, aber es ist für mich Sinn gerichtet. Ich brauche kein 5. Paar schwarzer Schuhe, aber zusammen mit den liebsten Menschen auf der Welt zu feiern, das gibt mir viel mehr, als in den Laden zu gehen.

Für die einfachen Dinge im Leben: Früher habe ich oft gedacht ich habe es verdient, und ich kann und darf mir das jetzt gönnen. Und habe viel zu viel gekauft. Das hat mich nicht glücklich gemacht. Im Gegenteil, irgendwann hat mich das belastet. Und ja auch heute kaufe ich mir hin und wieder ein Eis. Aber nicht jeden Tag. Die meisten „Belohnungen“ mache ich mir selber: einen schönen Spaziergang, Sport machen, einen Kuchen selber backen und dann essen (eins meiner Lieblings-Belohnungen, braucht eigentlich keinen Anlass 😉 ), und auch mal gekaufte Sachen, die ich aber im Supermarkt erstanden habe und dann zu Hause genießen kann.

Ist es dir eigentlich mal aufgefallen? Irgendwie ist das meistens mit Essen oder Trinken verknüpft. Ja auch Essen gehen gehört mit dazu. Warum nur spricht uns Essen so an? Gerade auch als Belohnung? Eigentlich merkwürdig, da Essen ja eigentlich ein Grundbedürfnis des Menschen ist…

Warum wir in die Falle geraten

Ich glaube ein großer Aspekt davon ist, dass wir denken unser Ziel eh nie erreichen zu können. Und dann können wir uns doch auch lieber etwas gönnen dafür, dass wir jeden Tag so schwer schuften. Aber genau darin liegt eben der Hund begraben. Aus einmal wird häufig immer. Nur einmal morgens einen Coffee to Go geholt, kann schnell zu einer Gewohnheit werden. Und das geht ganz schön ins Geld. Mal angenommen der Kaffee kostet 1,5 €. Bei 22 Arbeitstagen im Monat macht das schon 33 Euro. Oder im Jahr dann 396 €. Ganz schön viel Geld oder? Und dann gibt man nochmal hier und da 5 € aus, ist ja nicht viel… und schon kommen locker 3-stellige Summen im Jahr zusammen, die man hätte sparen oder investieren können. Ich möchte dich da gar nicht so genau ansehen Zinseszins!

Aber wie kommen wir aus dieser Falle heraus?

Der erste Schritt ist ja schon mal getan, wir haben gemerkt, das wir in diese Falle getappt sind. Das ist schon mal die halbe Miete! Jetzt geht es darum herauszufinden was uns glücklich macht, was unsere Prioritäten sind. In meinem Fall hat das eigentlich nicht viel mit shoppen zu tun. Allerdings möchte ich mir gerne irgendwann Eigentum gönnen können. Ich habe also ein Ziel wofür es sich lohnt zu sparen. Mit einem klaren Ziel im Kopf ist es viel einfacher, die Ausgaben zu kontrollieren und einfach nicht mehr so viel auszugeben. In ein paar Jahren werde ich dann hoffentlich meine große Belohnung erhalten: ein Eigenheim!

Das andere Zauberwort, neben „Zielen“, ist „Substitution“! Es geht darum, unsere Gewohnheiten uns mit Shoppen zu belohnen durch etwas anderes zu ersetzen. Und da habe ich viele Dinge gefunden, die mich viel glücklicher machen würden als ein teurer Kaffee aus einem wabbeligen Papierbehälter dessen Beschichtung krebserregend ist.

tl:dr

Es geht nicht darum asketisch zu leben, sondern viel mehr darum sein Glück und sein Leben zu maximieren. Ein Ziel im Fokus zu haben und sich nicht dem Trend des „Ich arbeite so hart – ich habe es mir verdient!“ zu verfallen. Denn diese Belohnungen sind sehr kurzlebig und müssen zudem, wie eine Droge, ständig in der Dosierung erhöht werden.

Es geht also darum Belohnungen zu finden, die mich glücklich machen, und die mich im Idealfall meinem großen Ziel ein Stückchen weiter entgegen bringen.

Deshalb ist meine Lieblingsbelohnung ein selbstgebackener Kuchen am Wochenende, den ich zusammen mit Freunden genieße. Was ist deine Lieblingsbelohnung?

20. April 2017 von Ms. Maxi
Kategorien: Minimalismus, Philosophie, Sparen | Schreibe einen Kommentar

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